Akupunktur

Akupunktur ist eine Jahrtausende alte chinesische Heilmethode.
Mit sehr feinen Nadeln werden bestimmte, besonders sensibel reagierende Punkte des Körpers gereizt. Dadurch werden – vermittelt über das vegetative Nervensystem - unterschiedlichste Stoffwechselprozesse im Körper in Gang gesetzt.
Die Akupunktur wird vor allem bei der Schmerztherapie (Bewegungsapparat) und bei chronischen Erkrankungen Innerer Organe erfolgreich eingesetzt.

Dass die Akupunktur eine uralte chinesische Heilmethode ist, die nun in Europa immer mehr Anhänger findet, ist schon allgemein bekannt. Weniger bekannt ist der Ablauf einer derartigen Behandlung. Da es diesbezüglich immer Fragen gibt, möchte ich versuchen, die Behandlung genauer zu beschreiben.

Wie bei jedem Arztbesuch wird zunächst durch Befragen und Untersuchen des Patienten versucht, eine exakte Diagnose zu stellen. Anhand dieser Diagnose, die entsprechend den Regeln der Schulmedizin erstellt wird, wird dann entschieden, ob eine Akupunkturbehandlung überhaupt in Frage kommt, ob es sinnvoll ist, die Erkrankung allein mit Akupunktur zu behandeln, oder ob eine Kombination mit westlicher Medizin mehr Erfolg verspricht:
Erscheint eine Akupunkturbehandlung sinnvoll, wird eine zweite Diagnose gestellt: nämlich eine chinesische Diagnose gemäß den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin. Da von der richtigen Diagnose auch die richtige Punktewahl abhängt, ist diese entscheidend für den Therapieerfolg. Diese Punktewahl ist der schwierigste Teil der Behandlung. Ca. 350 Punkte liegen auf 14 Meridianen (das sind über den ganzen Körper ziehende Bahnen, in denen nach chinesischer Auffassung Blut und Lebensenergie zirkulieren) verteilt.

Daneben gibt es noch zahlreiche Extrapunkte, die außerhalb der Meridiane liegen.
Nicht berücksichtigt sind dabei noch die vielen Punkte, die bei der Ohrakupunktur, Schädelakupunktur, Zungenakupunktur, Handakupunktur und Fußakupunktur genadelt werden.
Jeder Punkt ist nur wenige Quadratmillimeter groß und liegt in einer Tiefe von wenigen Millimetern bis 4 cm und mehr unter der Hautoberfläche. Nur wenn der Punkt mit der Nadelspitze genau getroffen wird, kann ein Erfolg erwartet werden.
Aus dieser Vielzahl von Punkten werden nun durchschnittlich 4-6, manchmal auch bis zu 12 Punkte ausgewählt:

1) Punkte in der Nähe des erkrankten Areals

2) Punkte, weit entfernt vom erkrankten Areal, die gemäß der chinesischen Diagnose die Krankheitsursache behandeln

3) eventuell besonders schmerzhafte Punkte, die zumeist außerhalb der Meridiane liegen.


Sobald die richtigen Punkte gefunden sind, beginnt die eigentliche Behandlung. Dabei werden von mir nur Einmalnadeln von 0,15 - 0,3 mm Durchmesser und 1 - 12 cm Länge verwendet. Diese Nadeln sind somit wesentlich dünner als übliche Injektionsnadeln. Eine Übertragung von Infektionskrankheiten ist durch die nur einmalige Verwendung ausgeschlossen. Natürlich wird auch die Haut desinfiziert, bevor die Nadel gesetzt wird.
Sobald der Akupunkturpunkt erreicht ist, verspürt der Patient ein leichtes Ziehen, Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl. Häufig tritt auch eine Rötung um die Einstichstelle auf. Dies alles ist günstig und beweist, dass die Nadel richtig gesetzt wurde. In gleicher Weise werden dann die übrigen Nadeln gesetzt und für 20 Minuten belassen.

Bei speziellen Problemen kann die Wirkung durch händische Manipulation (ein nach einem genauen Schema ablaufendes Bewegen der Nadel) oder durch Verbindung der Nadel mit einem elektrischen Impuls-Gerät verstärkt werden. Nach 20 Minuten ist die maximale Wirksamkeit erreicht ( in seltenen Fällen auch länger) und die Nadeln werden entfernt.
Zumeist verspürt der Patient zu diesem Zeitpunkt bereits eine deutliche Besserung seiner Beschwerden. Nach der ersten Behandlung dauert dieser Erfolg aber oft nur 1-2 Stunden an. Danach kann es vorübergehend wieder zu einem erneuten, wenn auch meist weniger intensiven Auftreten der Beschwerden kommen.
Nach jeder weiteren Sitzung verstärkt sich die Wirkung in der Regel wesentlich, sowohl in der Intensität als auch in der Dauer. Durchschnittlich sind 5-8 Sitzungen nötig, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen.

Grundsätzlich gilt:
Je akuter die Erkrankung, desto schneller ist mit einer Besserung zu rechnen, je länger eine Krankheit besteht, desto langwieriger ist die Behandlung.

Leider kann auch die Akupunktur keine Wunder bewirken.
Abgenützte Gelenke können nicht repariert, organische Veränderungen kaum beeinflusst werden. Helfen kann die Akupunktur aber bei manchen Symptomen, vor allem beim Schmerz. Starke Schmerzen, die oft nur mit sehr hohen Medikamentendosen beherrschbar sind - was häufig entsprechend starke Nebenwirkungen verursacht - können zumeist so weit gebessert werden, dass eine wesentliche Dosisreduktion der Schmerzmedikamente möglich wird. (Extrembeispiel aus unserer Praxis ist eine Patientin, die wegen starker Kopfschmerzen pro Woche bis zu 40 Tabletten einnahm und nach 7 Sitzungen seit Monaten keine einzige Kopfwehtablette mehr benötigt. - Leider sind nicht alle Behandlungen so erfolgreich!).

Besonders erfolgversprechend ist die Therapie von Wirbelsäulenschmerzen, Schmerzen, verursacht durch Abnützung von Knie- und Sprunggelenken, Schulterschmerzen und Kopfschmerzen.
Auch kann die Krankheitsdauer bei Erkältungskrankheiten, Schnupfen, Nasennebenhöhlenbeschwerden, Bindehautentzündung, Grippe oder Bronchitis deutlich herabgesetzt werden, die Atemnot bei Asthmatikern (natürlich unter Beibehaltung der notwendigen Medikamente) oft wesentlich gelindert werden.
Erstaunliche Erfolge lassen sich manchmal bei quälender Schlaflosigkeit, Stresssituationen und Depressionen erreichen, bei denen die Wirkung der Medikamente durch langen Gebrauch bereits deutlich vermindert ist.

Bei diesen und noch vielen anderen Krankheiten ist die Akupunkturbehandlung eine wertvolle Ergänzung zur westlichen Medizin, auf die man nicht verzichten sollte. Die Erfolgschancen einer Akupunkturbehandlung sind - sofern die Indikation richtig gestellt wurde - außerordentlich hoch.
Bei ca. 90 % kommt es zu Beschwerdefreiheit oder zumindest zu einer wesentlichen Besserung. Nur ca. 10 % zeigen keinen oder nur geringfügigen Erfolg.

Die häufig gestellte Frage, wie lange denn der Erfolg andauere, kann nicht so einfach beantwortet werden. Dies hängt von der Art der Erkrankung, der Dauer der Behandlung und der Disposition des einzelnen Patienten ab. Durchschnittlich ist mit einigen Wochen bis einem halben Jahr zu rechnen, sofern es sich um chronische Erkrankungen handelt. Bei akuten Beschwerden ist das Problem im allgemeinen mit einer einmaligen Therapieserie von ca. 5 Sitzungen behoben. Ausnahmen von dieser sehr allgemeinen Feststellung gibt es natürlich immer wieder.

Wenngleich die Akupunktur auch keine Wundermethode sein kann, so ist sie doch eine sehr ernstzunehmende und inzwischen weltweit wissenschaftlich anerkannte Heilmethode, außerdem praktisch ohne jede Nebenwirkung.

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